In Memoriam

 

Prof. Dr. Dres. h.c. Rolf Birk

 

Professor Rolf Birk, geboren am 14.4.1938 in Stuttgart, verstorben am 20.3.2021 in Trier, hatte von 1983 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2006 die Professur für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Internationales Privatrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Trier inne. Mit seinem Tode haben Universität und Fachbereich ein Mitglied verloren, das unermüdlich zu ihrer Sichtbarkeit im In- und Ausland beigetragen hat.

 

Rolf Birk wurde 1983 der erste Direktor des neu gegründeten Instituts für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Gemeinschaft (IAAEG) an der Universität Trier, das in Schloss Quint seinen Sitz hatte und heute auf Campus II der Universität untergebracht ist. Seit den 1980er Jahren war Professor Birk als einer der führenden Experten des Europäischen und Internationalen Arbeitsrechts anerkannt und zentrierte die Forschung der rechtswissenschaftlichen Arbeitsgruppe des Instituts auf diese Schwerpunkte.

Viele Nachwuchswissenschaftler profitierten von der erstklassigen Institutsbibliothek, deren Bestand und Gedeihen ein Herzensanliegen des Direktors war. Sie wurde zum Magneten für Forschende nicht nur aus der EU, sondern weit darüber hinaus, deren Arbeiten Professor Birk mit Anregungen und Diskussionen Impulse geben konnte. Er betreute auch selbst zahlreiche Dissertationen von ausländischen Promovenden, die bei Rückkehr in ihre Heimatländer den Kontakt nach Trier fortsetzten und zu vertiefen halfen. Forschern mit einem Schwerpunkt im Europäischen Arbeitsrecht wurde so das IAAEU eine in Europa bekannte und geschätzte Anlaufstelle.

 

Professor Birks internationale Ausrichtung wurde begleitet von einem ausgeprägten Sprachtalent, das es ihm erlaubte, sich innerhalb kürzester Zeit Kenntnisse in weiteren Sprachen anzueignen. Auf Reisen in alle Welt fühlte er sich damit rasch heimisch und genoss Land und Leute mit großem Interesse. Anfragen nach einer Gastprofessur nahm er deshalb gern an, die ihn unter anderem in die USA, nach Japan, Südafrika, Taiwan, Italien, Polen und die Niederlande führten. Eine besondere Beziehung unterhielt er jedoch zu Ungarn, vornehmlich zu Kollegen aus Budapest, Miskolc, Debrecen und Pécs. Seine wissenschaftlichen Leistungen wurden von den Universitäten Miskolc (1996) und Pécs (2001) mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Im Internationalen Arbeitsrecht war Professor Birk langjährig als (in eigenen Worten) „Völkerrechtspraktiker“ aktiv, seit ihn das Ministerkomitee des Europarates 1994 zum Mitglied des (heutigen) European Committee of Social Rights (ECSR) wählte. Das Komitee überwacht die Einhaltung der Europäischen Sozialcharta durch die Mitgliedstaaten des Europarats. In seiner Funktion als Mitglied und Präsident (1996 – 1998) des ECSR wirkte Rolf Birk an der Weiterentwicklung sozialer Rechte in Europa mit.

 

Professor Birk hat seine Forschungsergebnisse in annähernd 300 Veröffentlichungen in angesehenen in- und ausländischen Fachzeitschriften publiziert und auf internationalen Konferenzen vorgetragen. Das internationale Arbeitsrecht, das europäische Arbeitsrecht und das Arbeitsvölkerrecht kommentierte er im Münchener Handbuch zum Arbeitsrecht, das Internationale Erbrecht im Münchener Kommentar zum BGB. In seinen rechtsvergleichend fundierten Beiträgen hat er Ideen und Argumente entwickelt, die lange nach seiner Emeritierung weiter die Diskussion prägen. Auch als Mitherausgeber der „Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft“, der „Zeitschrift für Internationales Arbeits- und Sozialrecht“ und der Schriftenreihe „Studien zum ausländischen, vergleichenden und internationalen Arbeitsrecht“ förderte er die Sichtbarkeit rechtsvergleichender Untersuchungen. Zudem engagierte er sich im Vorstand der Deutschen Sektion der Gesellschaft für Rechtsvergleichung und der „Internationalen Gesellschaft für das Recht der Arbeit und der Sozialen Sicherheit“.

 

Als Professor Birk im Jahre 2006 emeritiert wurde, führte er die Leitungsaufgaben am Institut noch für zwei Jahre fort, sein Interesse galt der Weiterentwicklung des Instituts aber auch weit darüber hinaus. Seine Schüler, Kollegen und Weggefährten haben ihm zum 70. Geburtstag eine Festschrift überreicht, als Zeichen der Würdigung seiner bleibenden Verdienste. Die zahlreichen Projekte, die er am und mit dem Institut während seiner aktiven Zeit verwirklichte, sind für die Nachfolgenden Ansporn und Verpflichtung. Von der geleisteten Aufbauarbeit, die dem Institut weit über Trier hinaus einen besonderen Ruf in der Forschung zum europäischen Arbeitsrecht verschafft hat, profitieren auch Kollegen und Nachfolger. Wir sind Rolf Birk zu großem Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.

 

 

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